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TCM Allgemein Lyss Langnau

«Schmerz ist ein Gefühl der Blockade»

Seit einem Jahr arbeitet Dr. Fang Chan-Dewar für China-MedCare in Lyss als TCM-Therapeutin. Sie verfügt über eine grosse Erfahrung in der Behandlung von Schmerzen jeder Art – und verschafft auch Krebspatientinnen und -patienten eine bessere Lebensqualität.

Interview: Bruno Habegger
Können Sie sehen, ob ich Schmerzen habe?

(überrascht) Schmerz hinterlässt überall im Körper seine Spuren. Er lässt sich an der Körperhaltung erkennen, an der Gesichtsfarbe, am Geruch.

Ist es ein «Schrei des Qi» wie manche TCM-Ärzte sagen?

So würde ich es nicht nennen. Schmerz ist das Resultat einer Blockade der Meridiane, die das Qi, die fliessende Lebenskraft ausmachen.

Was sind denn diese Meridiane?

Es sind die Leitbahnen der Lebensenergie. Auf ihnen liegen die Akupunkturpunkte. Werden diese angeregt, fliesst die Energie wieder. Die Meridiane sind nicht mit den Blutbahnen zu verwechseln. Sie verbinden Funktionskreise, die von den fünf wichtigsten Organen bestimmt werden: Herz, Leber, Milz Lunge und Niere. Beschränkt sich die westliche Medizin vor allem auf die Organe und die Zellfunktionen, geht die chinesische Medizin mit dem Konzept des Qi viel weiter und erfasst den Menschen mit seinen Selbstheilungskräften ganzheitlich.

Was sind denn nun in diesem Konzept Schmerzen?

Ein Gefühl, eine Realität – und ein Signal für ein gestörtes Qi, oft auch ausgelöst durch äussere Reize wie Wind, Hitze, Feuchtigkeit oder Kälte. Und für mich ein Diagnoseansatz, wobei der Ort des Schmerzes nicht immer dem Sitz des eigentlichen Problems entspricht. In der Schulmedizin interessiert oft nur der Schmerzlevel von 1 bis 10 und der Sitz des Schmerzes und wie man ihn wieder auf Null bringt. In der chinesischen Medizin ist Schmerz weit mehr. Kein Mensch lebt ohne Schmerz. Es geht in der Behandlung um das Wiedererlangen eines starken Qi.

Wie behandeln Sie Schmerz?

Schmerz ist eine sehr individuelle Sache. Ich stelle zuerst eine ausführliche Diagnose und wähle danach die geeignete Therapie, in der Regel vor allem Akupunktur zur Aktivierung der Meridiane und Schröpfen gegen Hitze und Feuchtigkeit im Körper. Aus eigener Erfahrung wirkt das gut bei chronischen Schmerzen, Kopfschmerzen, Migräne und anderen Schmerzen, die nicht auf einem akuten Ereignis basieren. Bei stärkeren Schmerzen und zur besseren Durchblutung kann auch die Kräutertherapie mit Rohstoffen aus China, die durch den schweizerischen Importeur streng kontrolliert werden, zur Anwendung kommen. Zusätzlich empfehlen wir natürlich weitere Massnahmen zur Schmerzlinderung, wenn sie offensichtlich wirken könnten und verweisen Patientinnen und Patienten auch an andere Fachstellen weiter. Oft braucht es aber nur wenig, beispielsweise das Schliessen des Fensters in der Nacht.

«Wir behandeln mit einer Erfolgsquote von geschätzt 90 Prozent»

Dr. Fang CHAN-Dewar
Gibt es Schmerzen, die Sie nicht behandeln können?

Wir behandeln mit einer Erfolgsquote von geschätzt 90 Prozent ein breites Spektrum an Schmerzen, auch bei Gürtelrosen oder Narbenschmerzen nach Operationen. Sogar Krebspatienten kommen – oft von ihrem Arzt überwiesen – zu uns, um begleitend zur Schulmedizin eine Linderung ihrer Schmerzen zu suchen. Natürlich überweisen wir Patientinnen und Patienten mit akuten Schmerzen, beispielsweise herrührend von einer beginnenden Herzattacke, direkt ins Spital.

Und Schmerzen in der Seele?

Selbstverständlich. In der chinesischen Medizin ist auch die Seele ein Teil des Qi und kann Schmerzen verursachen. Sieben Emotionen beeinflussen das Qi nachhaltig: Zorn, Traurigkeit, Sorge, Nachdenklichkeit, Freude, Angst und Schock.

Wie viele Sitzungen braucht es?

Wir empfehlen 10 bis 12 Sitzungen. Erste Effekte stellen sich schon bald ein. Allerdings kehrt der Schmerz früher oder später zurück, wenn man es bei nur einer Sitzungsreihe belässt. In die Balance zu gelangen, die Lebensflüsse zu stärken, das braucht seine Zeit.

Zahlt die Krankenkasse die Schmerztherapie?

Im Rahmen der Versicherungsbedingungen übernimmt eine Zusatzversicherung für Komplementärmedizin ganz oder teilweise die Behandlungskosten. Es empfiehlt sich, vor den Behandlungen sich zu informieren, ob und in welchem Rahmen die Zusatzversicherung die Behandlungskosten übernimmt. 

Gibt es ein Leben ohne Schmerzen?

Nein. Das Qi zu stärken und zu erhalten, das ist eine Daueraufgabe, die nicht immer gelingt und damit immer wieder auch Schmerzen verursacht. Es geht darum, die Balance zu erlangen: Yin und Yang. Das Leben ist zu schön, um es mit Schmerzen auszuhalten.

 
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Zur Gesprächspartnerin

Dr. Fang CHAN-Dewar ist eine fachlich ausgezeichnete TCM-Therapeutin. Sie verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung im Bereich TCM und hat als Ärztin und Therapeutin in China, England, Irland und der Schweiz gearbeitet. Sie arbeitet seit 2015 in der Schweiz und leitet seit 2021 die Niederlassung von China-Medcare in Lyss.

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